Zahlen und Fakten zu work & care

Die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege ist eine der grossen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen

Eine Studie des Bundesamtes für Gesundheit schätzte 2014, dass in der Schweiz rund 160'000 Erwerbstätige zuhause ein Familienmitglied pflegen (BAG-Bulletin 36/2014). 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen betreut. Die Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege – bezeichnet als «work & care» – ist vor diesem Hintergrund kein Randphänomen. Die Auswertung der von Careum Forschung konzipierten und pilotierten Umfragen in Betrieben spricht eine deutliche Sprache: Mehr als ein Viertel der befragten Mitarbeitenden in verschiedenen Unternehmen haben Erfahrung in der Angehörigenpflege. Davon übernehmen mindestens 12 Prozent momentan Pflegeaufgaben, während mindestens gleich viele früher gepflegt haben. Zwar organisieren sich Frauen und Männer unterschiedlich, wenn sie Betreuungsaufgaben übernehmen. Aber in der grundsätzlichen Bereitschaft, pflegerische Aufgaben zu übernehmen, gibt es kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Die Forschungsresultate zeigen eindeutig, dass im Bereich «work & care» Handlungsbedarf besteht, weil die Zahl der pflegebedürftigen Personen zunimmt. Gründe für die wachsende Bedeutung sind einerseits die Gesundheitsdeterminanten: zunehmende Langlebigkeit, mehr chronisch-degenerative Erkrankungen sowie medizinisch-technische und pharmazeutische Fortschritte, die ein längeres Leben auch mit Gesundheitsbeeinträchtigungen ermöglichen. Andererseits spielen auch die gesellschaftlichen Veränderungen in Familienstrukturen und Arbeitswelt eine Rolle: mehr Einpersonenhaushalte, steigende Scheidungsraten, weit auseinander lebende Familienangehörige, mehr erwerbstätige Frauen und ein steigendes Pensionsalter führen zu neuen Herausforderungen, wenn Angehörige pflegebedürftig werden.

Die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege ist ein vielschichtiger Themenkomplex. Zu Beginn des Forschungsprojekts «work & care 1» im Jahr 2007 waren noch kaum Informationen zu den schweizerischen Verhältnissen verfügbar. Inzwischen hat die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für das Thema deutlich zugenommen. Entsprechend hat der Bundesrat Ende 2014 als Teil seiner gesundheitspolitischen Prioritäten der Agenda «Gesundheit 2020» einen Aktionsplan vorgelegt, um Angehörige zu unterstützen.

Bestimmend sind drei Handlungsfelder: die gesellschaftlichen Entwicklungen, die Arbeitswelt sowie das Versorgungssystem. In der Schnittmenge kristallisieren sich die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege. Im noch jungen Diskurs empfiehlt sich dazu das «Mainstreaming». Das heisst, work & care soll in allen gesellschaftlichen Dimensionen mitbedacht werden, damit Lücken und Lösungen kontinuierlich und zeitnah aufgearbeitet werden können.

 

Fernsehen SRF1, Club: Pflegen bis zur Erschöpfung, 9. September 2014:


Grundlagenliteratur

Bischofberger, I., Radvanszky, A., van Holten, K., & Jähnke, A. (2013). Berufstätigkeit und Angehörigenpflege vereinbaren. In Schweizerisches Rotes Kreuz (Hg.), Who Cares? Pflege und Solidarität in der alternden Gesellschaft (pp.162-184). Zürich: Seismo.

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